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Freie Träger

Politische Erwachsenenbildung freier Träger

Die nichtstaatlichen Träger leisten das Gros politischer Bildungsarbeit bezogen auf die Veranstaltungstätigkeit im Bereich der Erwachsenenbildung. Das Feld der Träger ist dabei sehr breit und vielfältig. Der Freistaat Sachsen nimmt auf die Gestaltung dieser Weiterbildungslandschaft nur mittelbar über die Weiterbildungsförderung Einfluss. Im Mittelpunkt steht dabei die Sicherstellung eines breiten Bildungsangebotes und qualitativer Mindeststandards. Die wichtigsten Träger, die im Bereich der politischen Bildung tätig sind, sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden:

Parteinahe Stiftungen

Politische Parteien betreiben auch in Sachsen über ihre jeweiligen Stiftungen politische Bildungsarbeit.

Das sächsische Bildungswerk der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung ist das älteste in den neuen Bundesländern. Es besteht seit 1990 und hat im März 2004 seinen Sitz von Leipzig nach Dresden verlagert. Angeboten werden Seminare und Veranstaltungen für alle politisch interessierten Bürger, die ein breites Themenspektrum umfassen. Fragen der aktuellen Politik werden ebenso behandelt wie historische Themen. Besondere Schwerpunkte liegen im Bereich der Zukunft der europäischen Ordnung, der aktiven Bürgergesellschaft und der sozialen Markwirtschaft.

1991 wurde von einer Gruppe von Leipziger Wissenschaftlern die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V. als linker, der PDS nahe stehender Verein gegründet. Die Stiftung hat heute über 340 Mitglieder und verfügt über Regionalbüros in Dresden, Chemnitz und Zwickau. „Ihr Ziel ist die Entwicklung und Verbreitung gesellschaftspolitischen Wissens, die Pflege demokratisch-sozialistischer Ideen und humanistischer Ideale sowie eine die sozialen Gruppen und Generationen verbindende Diskussion alternativer Projekte in Politik, Wirtschaft und Kultur.“ Die Stiftung betreibt neben wissenschaftlichen und Bildungsprojekten auch sozialwissenschaftliche Bibliotheken in Leipzig und Dresden und eine umfangreiche Publikationstätigkeit. Sie vergibt jährlich einen Wissenschaftspreis.

Ebenfalls in Sachsen mit drei Regionalbüros in Dresden, Leipzig und Chemnitz vertreten ist die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung.  Es wird  eine breit gefächerte Auswahl an Themen und Veranstaltungsformen in Dresden und Ostsachsen angeboten. Eines der wichtigsten Themen ist die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus und der Fremdenfeindlichkeit innerhalb der Gesellschaft. Weitere Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Kommunalpolitik sowie Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik und im Bereich der Gleichstellung von Frauen und Männern. Die Diskussion um die Zukunftschancen der Jugend sind ebenso Anliegen der Ebert-Stiftung in Sachsen wie die Förderung des Zusammenwachsens in Europa, insbesondere durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit Tschechien und Polen.

Eine sächsische Besonderheit ist das Herbert-Wehner-Bildungswerk, ein sozialdemokratischer Verein mit Sitz in Dresden, der politische Bildung betreibt. Das Bildungswerk, das sich besonders der Wahrung des politischen Erbes von Herbert Wehner verschrieben hat, will Bürger zur demokratischen und parlamentarischen Mitwirkung ermutigen und befähigen. Es werden Tagungen, Seminare und Diskussionsveranstaltungen angeboten. Das Themenspektrum reicht von Kommunikationsseminaren über Fachwissen für Kommunalpolitiker bis zu Bildungsreisen und Seminaren gegen Rechtsextremismus. Zur Förderung der Arbeit des Bildungswerkes hat sich ein Freundeskreis gegründet; von Greta Wehner wurde die Herbert-und–Greta-Wehner-Stiftung ins Leben gerufen, die dem gleichen Ziel dient.

Mit dem Ziel, nach sechs Jahrzehnten Diktatur den Liberalismus als geistige und politische Kraft auch in Sachsen zu neuem Leben zu erwecken, wurde am 13. April 1991 in Meißen die Wilhelm-Külz-Stiftung als Einrichtung für die politische Erwachsenenbildung gegründet. Die Bildungsarbeit der Stiftung, die der FDP nahe steht, richtet sich an alle sächsischen Bürger; die Veranstaltungen finden in verschiedenen Regionen Sachsens statt und sind auf spezifisch sächsische Probleme und Bedingungen zugeschnitten. Es werden vorrangig Themen aus dem Bereich der Wirtschafts-, der Innen- und Kommunalpolitik sowie der Europapolitik, oft unter besonderer Berücksichtigung der Interessen der mittelständischen Unternehmen, behandelt.

Seit 1992 gibt es das Bildungswerk Weiterdenken als sächsischen Teil der Heinrich-Böll-Stiftung. In seinen Wertorientierungen steht das politische Bildungswerk der grünen Partei nahe; organisatorisch, finanziell und inhaltlich handelt es sich aber um einen eigenständigen Verein. Das Bildungswerk Weiterdenken hat sich zum Ziel gesetzt, „in Sachsen Ideen, Orientierung, Engagement und konkrete Konzepte für die sozialen und ökologischen Lebensgrundlagen, für eine demokratische, libertäre, solidarische und zivile Gesellschaft zu befördern.“ Es soll neben fachlichem Wissen auch das „Handwerkszeug“ vermittelt werden, mit dessen Hilfe sich die Bürger in verschiedenen Formen selbst in politische Prozesse einmischen können.

Auch die NPD, die seit 2004 im Sächsischen Landtag vertreten ist, plant die Gründung einer parteinahen Stiftung. Sie trägt den Arbeitstitel „Walter-Bachmann-Stiftung“ nach dem verstorbenen Ehrenvorsitzenden der NPD und früheren Waffen-SS-Freiwilligen. Im Juli 2006 wurde in Dresden das der NPD nahestehende "Bildungswerk für Heimat und die nationale Identität e.V." gegründet. Aufgabe dieser rechten Denkfabrik (Zitat aus einer Selbstdarstellung) soll die politische Grundlagenarbeit im Vorfeld der NPD sein.

Kirchliche Träger

Die beiden großen christlichen Kirchen unterhalten eine Vielzahl von Bildungseinrichtungen in Sachsen, die sich auch der politischen Bildung widmen. Die verschiedenen Bildungseinrichtungen, kirchlichen Werke und regionalen Arbeitskreise innerhalb der evangelischen Kirche haben sich zur „Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen“ zusammengeschlossen. Sie verfolgt das Ziel, Hilfen zur Lebensorientierung und Lebensgestaltung in einer sich rasch wandelnden Gesellschaft anzubieten.

Auf  katholischer Seite bildet die „Katholische Erwachsenenbildung Sachsen“ das organisatorische Dach, unter dem katholische Veranstalter wie Pfarreien, Verbände, Vereine, Organisationen, Bildungswerke, Akademien etc. ihre Bildungsangebote zusammengefasst haben. Insbesondere die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen ist ein Bildungsnetzwerk, das sich das Ziel gesetzt hat, sich über die Probleme des Alltags hinaus mit aktuellen, wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Fragen auch im Bereich der politischen Bildung zu beschäftigen.

Gewerkschaftliche Träger

Im Jahr 1991 wurde das DGB-Bildungswerk Sachsen e.V. als arbeitnehmerorientiertes Bildungswerk geschaffen. Es soll die Bildungsarbeit der Mitgliedsgewerkschaften des DGB koordinieren und nach außen Bildungsarbeit und Bildungspolitik der Gewerkschaften vertreten. Inhaltliche Schwerpunkte der Bildungsarbeit sind zum einen die Schulung von Mitarbeitervertretungen, des Weiteren Themen, die sich aus der Lage Sachsens an der Grenze zu Polen und Tschechien ergeben sowie der Komplex Rechtsextremismus.

Ein weiterer gewerkschaftlicher Träger ist die Bildungsvereinigung Arbeit und Leben in Sachsen e.V. Sie ist eine selbstständig agierende, staatlich anerkannte und landesweit tätige Organisation der Jugend- und Erwachsenenbildung in gemeinsamer Trägerschaft des DGB mit seinen Einzelgewerkschaften und des Sächsischen Volkshochschulverbandes mit seinen Mitgliedern, den Volkshochschulen in Sachsen. Die Bildungsvereinigung hat sich das Ziel gesetzt, ihre Teilnehmer dabei zu unterstützen, „eine aktive gesellschaftliche Rolle wahrzunehmen und durch allgemeine, politische, soziale, kulturelle und berufliche Bildung Mitverantwortung und selbst bestimmtes Handeln an der Schnittstelle zwischen Gesellschaft und Arbeitswelt zu befördern“. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit richtet sich auf den Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Diskriminierung. Das Bildungsangebot wendet sich an unterschiedliche gesellschaftliche Gruppierungen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Berufes in den Bereichen Jugend- und Erwachsensenbildung.

Volkshochschulen

In Sachsen gibt es 29 Volkshochschulen, die sich überwiegend in kommunaler, teilweise aber auch in freier Trägerschaft befinden. Alle Träger sächsischer Volkshochschulen sind Mitglied im Sächsischen Volkshochschulverband e.V., der als Fach- und Interessenverband die Interessen der sächsischen Volkshochschulen auf Landes- und Bundesebene vertritt. Die Volkshochschulen bieten ein thematisch breit gefächertes Bildungsangebot, politische Bildung umfasst hier jedoch nur einen relativ kleinen Teilbereich des Gesamtangebotes.