Regionale Gliederung: Wirtschaftsräume
Seit langer Zeit gilt in Sachsen das Sprichwort: „Was in Chemnitz erarbeitet wird, wird in Leipzig gehandelt und in Dresden verprasst.“ Noch heute sind diese drei Städte mit ihrer jeweiligen Umgebung die Drehscheiben der sächsischen Wirtschaft. Zwischen Dresden und Freiberg sind besonders die Mikroelektronik und die Elektrotechnik zu Hause. Die meisten sächsischen Großunternehmen haben ihren Sitz im Regierungsbezirk Dresden. Der Wirtschaftsraum Nordwestsachsen umgibt die Handelsmetropole Leipzig, die sich als Standort für Medien und Finanzdienstleistungen etabliert hat. Auf die Region Leipzig entfällt rund ein Viertel aller sächsischen Unternehmen. Im mittelsächsischen Ballungsraum um Chemnitz und Zwickau ist traditionell der Maschinen- und Fahrzeugbau konzentriert. Neben diesen urbanen Kernen gehören auch die Räume Ostsachsen und Erzgebirge/Oberes Vogtland zu den fünf sächsischen Wirtschafträumen, allerdings ist hier die Wirtschaftskraft bislang noch unterdurchschnittlich entwickelt.
Unternehmensstrukturen
Zu DDR-Zeiten erwirtschafteten die Betriebe der sächsischen Bezirke etwa 40% der gesamten Industrieproduktion der DDR. Sachsen konnte seit 1990 an die traditionell mittelständische Wirtschaftsstruktur der Vergangenheit im Großen und Ganzen wieder anschließen. Von den 135.984 Unternehmen, die es 2004 in Sachsen gab, waren 125.128 kleine, 10.730 mittlere und 126 Großunternehmen. Unter Zugrundelegung des Definitionskriteriums Umsatzgröße gehörten 2004 99,91 % aller sächsischen Unternehmen zum Mittelstand. Vergleicht man dies mit dem übrigen Bundesgebiet, so stellt man eine in Sachsen geringfügig größere zahlenmäßige Bedeutung des Mittelstandes fest. Generell gilt, dass sächsische Unternehmen eine geringere Durchschnittsgröße als der gesamtdeutsche Durchschnitt aufweisen. Der Mittelstand ist Hauptumsatzträger im Freistaat Sachsen. Mit rund 68,69 Prozent liegt der Umsatzanteil der mittelständischen sächsischen Unternehmen weit über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 40,78 Prozent. Seit 1996 ist der von der mittelständischen Wirtschaft in Sachsen erzielte Umsatz rückläufig. Zwischen 1996 und 2004 war ein Rückgang von immerhin 10,8 Prozent zu verzeichnen. Trotz dieser Entwicklung konnte die Gesamtwirtschaft in Sachsen in dem genannten Zeitraum ein Umsatzwachstum von 9,6 Prozent verzeichnen. Dieser Zuwachs wurde vor allem von den Großunternehmen erwirtschaftet, die eine Steigerung von 122,6 Prozent zu verbuchen hatten.
Auch im Hinblick auf die Beschäftigung kommt dem sächsischen Mittelstand eine wichtige Rolle zu: 86 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahr 2005 waren in mittelständischen Unternehmen angestellt, davon 20,5 Prozent in kleinen und 65,5 Prozent in mittleren Unternehmen. Im Vergleich mit den alten Bundesländern wird die Unternehmensstruktur Sachsens stark durch Klein- und Kleinstunternehmen geprägt. Zwar ist die Zahl der im Freistaat ansässigen Großbetriebe derzeit noch vergleichsweise gering, ihre Zahl hat sich jedoch von 1996 83 Betrieben auf 2004 126 Unternehmen vergrößert.
Branchenstruktur
Entgegen den ersten Jahren nach 1989 verlagerte sich das Branchengewicht der Gewerbeneuanmeldungen von Handel und Handwerk zunehmend in Richtung Industrieproduktion. Sachsen hat die zweithöchste Industriedichte der neuen Länder. Zum 30.6.2007 kamen auf 1.000 Einwohner 69 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe; in Thüringen lag diese Zahl bei 77, in den neuen Ländern mit Berlin bei 54. Verarbeitendes Gewerbe und unternehmensnahe Dienstleistungen sind inzwischen zu den dynamischsten Wirtschaftsbereichen geworden. Die sächsische Industrie steuert seit einigen Jahren auf einem stetigen Wachstumskurs: Die Industriebetriebe des verarbeitenden Gewerbes sowie des Bergbaus und der Gewinnung von Steinen und Erden erwirtschafteten 2006 eine Umsatzsteigerung von 14,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresergebnis (2004: +9,1%, 2005:+9,6%). Etwa jedes zehnte sächsische kleine und mittlere Unternehmen ist dem verarbeitenden Gewerbe zuzuordnen, das einen Umsatzanteil von 22,8 Prozent aller sächsischen KMU ausmacht. Das verarbeitende Gewerbe ist zudem der größte Arbeitgeber in Sachsen; 23 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten hier.
Die Branchenstruktur der sächsischen Wirtschaft hat sich insgesamt der westdeutschen Struktur stark angenähert. Der Anteil der forschungs-, entwicklungungs- und exportintensiven Zweige im verarbeitenden Gewerbe liegt deutlich über den ostdeutschen Durchschnittswerten und erreicht fast westdeutsches Niveau (vgl. IAB-Betriebspanel, Länderbericht Sachsen 2006).
Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Sachsen ist auch das Handwerk. 2007 waren 58.034 Handwerksbetriebe in Sachsen ansässig, das sind gut ein Drittel (33 %) aller Handwerksbetriebe der östlichen Bundesländer. Etwa 30 % der Auszubildenden werden im Handwerk ausgebildet, damit ist die Ausbildungsquote ca. dreimal so hoch wie in der übrigen Wirtschaft. Die Handwerksdichte (Betriebe je 1000 Einwohner) lag 2007 bei 13,7, Sachsen übertraf damit deutlich den Bundesdurchschnitt von 11,7.
Neben Traditionellem existieren aber auch Industriezweige der Hochtechnologie in Sachsen. Dank einer besonderen Förderung haben sie mittlerweile ein ebenso hohes Gewicht wie in Gesamtdeutschland erreicht. Die Region Dresden ist der führende Standort der Mikroelektronik in Europa, in der Halbleiterbrache der Region arbeiten derzeit etwa 44.000 Menschen in 1.200 Betreiben. Mittlerweile wird jeder zweite europäische Chip in „Silicon Saxony“ produziert.