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Wachstum
Im Zuge der wirtschaftlichen Umgestaltung wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in allen neuen Ländern in der ersten Hälfte der neunziger Jahre rasant an. Seit Mitte der 90er Jahre flachen die Wachstumsraten wieder ab und passen sich der gesamtdeutschen Entwicklung an (siehe Graphik zur Entwicklung des BIP ab 1997) . Im Jahr 2008 belief sich das sächsische Bruttoinlandsprodukt auf rund 95,1 Mrd. Euro, was einen Zuwachs von 0,9 % gegenüber dem Vorjahr darstellt. Damit verlief die Wirtschaftsentwicklung in Sachsen 2008 ungünstiger als in der Bundesrepublik insgesamt, wo ein Wachstum von 1,3 % erzielt werden konnte. Pro Einwohner betrachtet lag das BIP des Freistaates 2008 mit 22.620 € an der Spitze aller neuen Bundesländer. Im längerfristigen Vergleich hat die Wirtschaft in Sachsen seit dem Jahr 2000 um 15,7 % Prozent zugelegt und verzeichnet damit das zweithöchste Wirtschaftswachstum aller Bundesländer. 2008 konnte diese überdurchschnittliche Wachstumsentwicklung nicht fortgesetzt werden; die allgemeine Wirtschaftskrise machte auch vor Sachsen nicht halt. 2009 wirkte sich die Krise noch weitaus gravierender auf die sächsische Wirtschaft aus: Das BIP ging im ersten Halbjahr 2009 preisbereinigt um 5,7 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum zurück. Auch wenn sich diese Zahlen dramatisch anhören, so verlief die Entwicklung der sächsischen Wirtschaft doch weniger stark rückläufig als der Bundestrend, der einen Rückgang von 6,8 Prozent des BIP im ersten Halbjahr 2009 verzeichnete. Erhielt die sächsische Wirtschaft bislang ihre größten Wachstumsimpulse aus dem produzierenden Gewerbe, so ist hier 2009 der größte Einbruch zu verzeichnen. Auch die verschiedenen Dienstleistungsbereiche zeigen ein Minus, jedoch in wesentlich geringerer Dimension.
Produktivität
Sachsen ist bei der Produktivität bundesweites Schlusslicht (Bundesländerranking 2008 der INSM). Der Produktivitätsrückstand der sächsischen Wirtschaft gegenüber Westdeutschland ist nach wie vor beträchtlich. Er hat sich zwischen 1995 und 2002 nicht wesentlich verändert. Nach dieser Phase der Stagnation verringerte sich der Produktivitätsrückstand gegenüber dem Westen allmählich. Im Jahr 2008 stieg in Sachsen die Arbeitsproduktivität auf der Grundlage der Arbeitsstunden der Erwerbstätigen nur um 0,3 Prozent an. Die gesamtdeutsche Stundenproduktivität veränderte sich dagegen 2008 überhaupt nicht. Im Krisenjahr 2009 ging die Arbeitsproduktivität deutschlandweit um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.
Lohnkosten
Hinsichtlich der Lohnkosten, die ein besonders wichtiger Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft sind, lag Sachsen auch 2008 noch deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnittswert. Die Bruttolöhne und –gehälter je Arbeitnehmer erhöhten sich 2008 um 2,3 % auf 22.565 €. Sie lagen damit bei 81,3 Prozent des bundesdeutschen Durchschnittswertes von 27.754 €. Damit sind die vergleichsweise niedrigen Lohnkosten aus der Sicht der Wirtschaft unverändert vorteilhaft und begünstigen Ansiedlungen von Unternehmen in Sachsen. In den neuen Ländern kann man nur in Brandenburg mehr verdienen als in Sachsen.
Allerdings zeigen sich in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen sehr unterschiedliche Entwicklungen (siehe Tabelle zu den Arbeitnehmerentgelten in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen) : Während die Lohnkosten im Produzierenden Gewerbe und bei den öffentlichen und privaten Dienstleistern vergleichsweise hoch sind, verdient man in Sachsen in der Land- und Forstwirtschaft relativ wenig.
Investitionen
Die sächsische Wirtschaft zeichnet sich durch eine intensive Investitionstätigkeit aus. 1994 erreichte das sächsische Investitionsvolumen seinen bisherigen Höchstwert, 2001 waren die wenigsten Investitionen zu verzeichnen (siehe Tabelle und Graphik zur Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen). Im Zeitraum von 1991 bis 2004 wurden jährlich zwischen 15,4 und 32,7 Milliarden € in Sachsen investiert. Im Jahr 2004 betrug das Investitionsvolumen 19,3 Mrd. € und verzeichnete damit erstmals seit Mitte der 90er Jahre wieder einen nennenswerten Zuwachs. Trotzdem erreichte der investierte Betrag nur knapp 60 % des Investitionsvolumens im Jahr 1996 bzw. reichlich 73 % im Vergleich zum Jahr 2000. 58 % der Investitionen flossen in Bauten, 42 % in Ausrüstungen. Mit 3,98 Milliarden Euro 2007 bzw. 3,5 Milliarden Euro 2008 wird jeder vierte Euro in Sachsen für Investitionen ausgegeben. Seit vielen Jahren verfügt Sachsen deutschlandweit über die höchste Investitionsquote. (Anteil der Investitionen am BIP) Sie liegt (ohne Hochwasser) 2007 bei 24,8 Prozent und 2008 bei 22,3 Prozent – und damit über dem Niveau der Vorjahre. Das einwohnerbezogene Investitionsniveau Sachsens lag zwischen 1999 und 2001 um 9 % über dem der alten Länder. In fast allen Wirtschaftsbereichen der sächsischen Wirtschaft sind die Investitionen in Relation zur Wertschöpfung höher als in Westdeutschland.
Außenhandel
Ein zunehmend größeres Gewicht für das Wirtschaftswachstum fällt dem sächsischen Außenhandel zu. Sowohl die Ein- als auch die Ausfuhren erreichten 2007 einen Höchststand. Das Außenhandelsvolumen Sachsens erhöhte sich 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 14,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Warenwert aller Exporte um 19,1 %, damit erzielte die sächsische Außenwirtschaft das beste Ergebnis seit 1991 und stand mit Abstand an der Spitze der neuen Länder. 2008 wurden Waren im Wert von 23,2 Mrd. € ausgeführt. Damit ist erstmals seit 1991 ein Rückgang der Exporte um 1 Prozent zu verzeichnen, während es bundesweit eine Zunahme der Exporte um 2,8 Prozent gab. Trotz dieser negativen Entwicklung ist Sachsen auch weiterhin das exportstärkste neue Bundesland. Die Exportquote Sachsens lag 2008 bei 33,9 Prozent. Wichtigste Exportpartner waren die Vereinigten Staaten gefolgt von Polen und Italien (siehe dazu entsprechende Graphik). Während der Export in die EU-Länder im Jahr 2008 um 6 Prozent zurückging, nahmen die Ausfuhren nach China um 26 Prozent zu. PKWs und Wohnmobile sowie elektronische Bauelemente sind die wichtigsten sächsischen Exportartikel. Bei den elektrotechnischen Erzeugnissen musste der sächsische Export im Jahr 2008 einen schmerzhaften Rückgang um 16 Prozent verkraften.
Positiv entwickelten sich dagegen 2008 die Importe, die um 3,3 Prozent zunahmen und mittlerweile einen Warenwert von 15,3 Mrd. € umfassen. Der mit Abstand wichtigste Importpartner Sachsens war 2008 die Tschechische Republik, gefolgt von der Russischen Föderation, die überwiegend Erdöl und –gas nach Sachsen lieferte und Polen (siehe dazu entsprechende Graphik).
Ausblick
Bei der Erneuerung der wirtschaftlichen Basis nach dem Zusammenbruch des planwirtschaftlichen DDR-Systems ist Sachsen gut vorangekommen. Der Freistaat belegt im Bundesländerranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft im Jahr 2009 den vierten Platz im Dynamikvergleich der Länder (Download der Ergebnisse des Bundesländerrankings 2009 für Sachsen). Zu den Stärken Sachsens zählen nach dieser Untersuchung die niedrige öffentliche Verschuldung, die steigende Exportquote und die innerhalb von drei Jahren um 51,1 Prozent gestiegene Steuerkraft des Freistaates. Negativ wirken sich die rückläufige Aufklärungsquote bei Straftaten, die sinkenden Einwohnerzahlen und die verhältnismäßig niedrigen Einkommen aus. Trotz respektabler Erfolge reicht die wirtschaftliche Entwicklung in Sachsen seit der Wiedervereinigung jedoch bei weitem nicht aus, um auch nur annähernd an Werte der alten Länder heranzureichen. Beim Vergleich des absoluten Niveaus von Wirtschaftskraft und Wohlstand der Länder liegt Sachsen daher auch nur auf Rang 14. Dies drückt sich negativ in geringer Produktivität und Kaufkraft, der Abwanderung junger Bürger und einer hohen Arbeitslosenquote aus.
Der Jahresbericht 2009 zum Stand der Deutschen Einheit kommt zu dem Schluss, dass es ein großer Erfolg wäre, wenn Ostdeutschland bis 2019 an die Wirtschaftskraft der strukturschwächeren westdeutschen Länder heranreichen könne. Zumindest für Sachsen stellt dies eine realistische Perspektive dar, auch wenn man mit Prognosen angesichts der unkalkulierbaren weltwirtschaftlichen Entwicklung sicher vorsichtig sein muss. Der Solidarpaktes II wird im Jahr 2019 auslaufen und die allgemeine Wirtschaftslage macht es nicht wahrscheinlich, dass die bisherige staatliche Förderpolitik auch in Zukunft aufrechterhalten werden kann. So wird es in den kommenden Jahren vor allem darum gehen, innovative und zukunftsträchtige Unternehmen, die auch ohne staatliche Alimentierung in der Lage sind, am Markt zu bestehen, nach Sachsen zu "locken". Aus den Ansiedlungen großer Konzerne müssen noch stärkere Impulse für den Mittelstand hervorgehen und Standortvorteile hinsichtlich Löhnen, Ausbildungsstand und allgemeiner Infrastruktur müssen konsequent genutzt werden. Sachsen muss als Lebens- und Arbeitsort für hoch qualifizierte Fachkräfte aus dem In- und Ausland attraktiv werden und bleiben. Nur so kann dem Bevölkerungsrückgang und dem drohenden Facharbeitermangel entgegen gewirkt werden.“ Es geht wirtschafts- und standortpolitisch um eine pragmatische Mischung von anspruchsvoller Innovationspolitik, einfacher Anwerbung von Investoren und pragmatischer Stärkung des vorhandenen industriellen Mittelstandes.“ (Karl-Heinz Paqué, Professor für VWL und Finanzminister a.D.)
Annette Rehfeld-Staudt