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Wirtschaftliche Leistungskraft

Wachstum

Im Zuge der wirtschaftlichen Umgestaltung wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in allen neuen Ländern in der ersten Hälfte der neunziger Jahre rasant an. Seit Mitte der 90er Jahre flachen die Wachstumsraten wieder ab und passen sich der gesamtdeutschen Entwicklung an (siehe Graphik zur Entwicklung des BIP ab 1996) . Im Jahr 2006 belief  sich das sächsische Bruttoinlandsprodukt auf rund 88,7 Mrd. Euro, was einen Zuwachs von 4 % gegenüber dem Vorjahr darstellt. Damit verlief die Wirtschaftsentwicklung in Sachsen 2006 deutlich günstiger als in der Bundesrepublik insgesamt, wo lediglich ein Wachstum von 2,7 % erzielt werden konnte. Pro Einwohner betrachtet lag das BIP des Freistaates 2006 mit 20.815 € an der Spitze aller neuen Bundesländer und erreichte damit rund 74,3 % des bundesdeutschen Durchschnitts. Im längerfristigen Vergleich hat die Wirtschaft in Sachsen seit dem Jahr 2000 um 13,4 % Prozent zugelegt und verzeichnet damit das zweithöchste Wirtschaftswachstum aller Bundesländer. 2007 konnte diese überdurchschnittliche Wachstumsentwicklung nicht fortgesetzt werden; die sächsische Entwicklung verlief weitgehend parallel zum gesamtdeutschen Wachstum: Während das sächsische BIP um 2,4 % zulegte, lag die gesamtdeutsche Wachstumsrate bei 2,5 %.

Die größten Wachstumsimpulse erhält die sächsische Wirtschaft aus dem produzierenden Gewerbe. Hier kam es im Jahr 2006 zu einer preisbereinigten Steigerung der Bruttowertschöpfung in Höhe von fast 12%. 2006 erhielt die sächsische Wirtschaft erstmals seit langem wieder einen Wachstumsimpuls aus der Bauwirtschaft, die mit 8 % Wachstum im gesamtdeutschen Vergleich an der Spitze steht. Auch die Dienstleistungsbereiche Handel, Gastgewerbe und Verkehr sowie Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister konnten im Jahr 2006 kräftig zulegen.

Betrachtet man die Wirtschaftskraft Sachsens im Vergleich mit der Entwicklung in den 27 EU-Staaten, so zeigt sich, dass der Freistaat im Jahr 2004 beispielsweise nur den 15. Rang hinter Zypern einnehmen würde. Das sächsische BIP pro Kopf in Kaufkraftstandards erreicht einen Wert von 85,9 (EU-Durchschnitt sind 100). Die Hansestadt Hamburg als Region mit der stärksten Wirtschaftkraft in Deutschland kommt dagegen auf 195,2 und wird nur noch vom EU-Spitzenreiter Luxemburg mit 251 übertroffen.

Produktivität

Der Produktivitätsrückstand der sächsischen Wirtschaft gegenüber Westdeutschland ist nach wie vor beträchtlich. Er hat sich zwischen 1995 und 2002 nicht wesentlich verändert. Nach dieser Phase der Stagnation verringerte sich der Produktivitätsrückstand gegenüber dem Westen in den Jahren 2003 bis 2006. Die Produktivität betrug im Jahr 2006 in Sachsen 46.540 € und lag damit unter dem ostdeutschen Mittel (ohne Berlin) von 47.450 €. Die sächsische Produktivität erreichte 2006 damit erst 79 % des gesamtdeutschen Produktivitätsniveaus. Auch innerhalb Westdeutschlands sind jedoch die Produktivitätsniveaus regional sehr unterschiedlich.

Wettbewerbsfähigkeit

Hinsichtlich der Lohnkosten, die ein besonders wichtiger Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft sind, lag Sachsen auch 2006 noch geringfügig über dem Mittel der fünf neuen Bundesländer. Die sächsischen Lohnkosten erhöhten sich 2006 um 0,7 % auf 26.652 €, der ostdeutsche Durchschnitt betrug gut 26.400 €. Sie blieben auch 2006 mit 81 % deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnittswert von 33.000 € und sind damit aus der Sicht der Wirtschaft unverändert vorteilhaft. Im Vergleich zu den alten Ländern (ohne Berlin) waren die sächsischen Lohnkosten um rund 7500 € je Arbeitnehmer bzw. 22 % niedriger (siehe Graphik zur Höhe der Lohnkosten in den Bundesländern).

Allerdings zeigen sich in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen sehr unterschiedliche Entwicklungen: Die Betriebe des verarbeitenden Gewerbes in Sachsen besitzen erkennbare Lohnkostenvorteile gegenüber ihren westdeutschen Konkurrenten. In diesem Wirtschaftsbereich liegen die Lohnkosten bei knapp 71 % des Bundesdurchschnitts bei einer Produktivität von 79 %. Anders sieht es dagegen bei den öffentlichen und privaten Dienstleistern in Sachsen aus, hier ist ein Lohnkostenniveau von 95 % erreicht, bei einer Produktivität von nur 89 % (siehe Tabelle zur Höhe der Lohnkosten in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen).

Investitionen

Die sächsische Wirtschaft zeichnet sich durch eine intensive Investitionstätigkeit aus. 1994 erreichte das sächsische Investitionsvolumen seinen bisherigen Höchstwert, 2001 waren die wenigsten Investitionen zu verzeichnen (siehe Tabelle und Graphik zur Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen). Im Zeitraum von 1991 bis 2004 wurden jährlich zwischen 15,4 und 32,7 Milliarden € in Sachsen investiert. Im Jahr 2004 betrug das Investitionsvolumen 19,3 Mrd. € und verzeichnete damit erstmals seit Mitte der 90er Jahre wieder einen nennenswerten Zuwachs. Trotzdem erreichte der investierte Betrag nur knapp 60 % des Investitionsvolumens im Jahr 1996 bzw. reichlich 73 % im Vergleich zum Jahr 2000. 58 % der Investitionen flossen in Bauten, 42 % in Ausrüstungen. Mit 3,98 Milliarden Euro 2007 bzw. 3,5 Milliarden Euro 2008 wird jeder vierte Euro in Sachsen für Investitionen ausgegeben. Seit vielen Jahren verfügt Sachsen deutschlandweit über die höchste Investitionsquote. (Anteil der Investitionen am BIP) Sie liegt (ohne Hochwasser) 2007 bei 24,8 Prozent und 2008 bei 22,3 Prozent – und damit über dem Niveau der Vorjahre. Das einwohnerbezogene Investitionsniveau Sachsens lag zwischen 1999 und 2001 um 9 % über dem der alten Länder. In fast allen Wirtschaftsbereichen der sächsischen Wirtschaft sind die Investitionen in Relation zur Wertschöpfung höher als in Westdeutschland.

Außenhandel

Ein zunehmend größeres Gewicht für das Wirtschaftswachstum fällt dem sächsischen Außenhandel zu. Sowohl die Ein- als auch die Ausfuhren erreichten 2007 einen Höchststand. Das Außenhandelsvolumen Sachsens erhöhte sich 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 14,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Warenwert aller Exporte um 19,1 %, damit erzielte die sächsische Außenwirtschaft das beste Ergebnis seit 1991 und steht mit Abstand an der Spitze der neuen Länder. Die Importe erhöhten sich um 7,9 %, der mit Abstand wichtigste Importpartner Sachsens war 2007 die Tschechische Republik, gefolgt von der Russischen Föderation und Polen (siehe dazu die entsprechende Graphik). Zwei Drittel des sächsischen Warenaustausches werden mit europäischen Ländern realisiert. Seit 2000 ist die USA wichtigstes Exportland, Asien gewinnt an Bedeutung; alleine im Jahr 2007 nahmen die Exporte in diesen Teil der Welt um 25 Prozent zu (siehe Graphik zu den Exportpartnern Sachsens). Geprägt wurde die Ausfuhr Sachsens im Jahr 2007 von Erzeugnissen des Kraftfahrzeugbaus (32 %), elektronischen Erzeugnissen (16 %) sowie Erzeugnissen des Maschinenbaus (14 %). Die meisten Importe Sachsens kamen 2007 aus Tschechien, der Russischen Föderation und Polen.
38,7 Prozent aller Exporte aus den neuen Ländern wurden im Jahr 2007 aus Sachsen getätigt. Mit einem Ausfuhrvolumen von fast 15 Mrd. Euro liegt Sachsen mit Abstand an der Spitze der neuen Länder. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die sächsische Wirtschaft mit einer Exportquote von 19,1 % im nationalen Maßstab eher  exportschwach ist (gesamtdeutscher Mittelwert sind 31,1 %).

Ausblick

Sachsen belegt im Bundesländerranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft im Jahr 2007 den sechsten Platz (Download der Ergebnisse des Bundesländerrankings für Sachsen). Zu den Stärken Sachsens zählen nach dieser Untersuchung der niedrige Schuldenstand von Land und Gemeinden, das gute Betreuungsverhältnis in den Schulen und der Anstieg der Eigenkapitalquoten der Unternehmen. Negativ wirken sich der Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen, die schwache Gründungsintensität und die nach wie vor hohe Zahl der Unternehmensinsolvenzen aus. Trotz respektabler Erfolge reicht die wirtschaftliche Entwicklung in Sachsen seit der Wiedervereinigung jedoch bei weitem nicht aus, um auch nur annähernd an Werte der alten Länder heranzureichen. Dies drückt sich negativ in geringeren Einkommen, der Abwanderung junger Bürger und einer hohen Arbeitslosenquote aus.
So wird es in den kommenden Jahren darum gehen, aus den Ansiedlungen großer Konzerne noch stärkere Impulse für den Mittelstand zu gewinnen und Standortvorteile hinsichtlich Löhnen, Ausbildungsstand und allgemeiner Infrastruktur konsequent zu nutzen. Sachsen muss als Lebens- und Arbeitsort für hoch qualifizierte Fachkräfte aus dem In- und Ausland attraktiv werden und bleiben. Nur so kann dem Bevölkerungsrückgang und dem drohenden Facharbeitermangel entgegen gewirkt werden. Mit den höchsten Wissenschaftsausgaben pro Kopf der Bevölkerung im Jahr 2005 ist Sachsen auf einem guten Weg.

Annette Rehfeld-Staudt