Religiöses Leben

Kirchen in Sachsen

1945 waren 90 Prozent der Menschen in Ostdeutschland Kirchenmitglieder, 1989 noch etwa 25 Prozent. Auch aus Sachsen, dem „Mutterland der Reformation“, hat die DDR ein weitgehend atheistisches Land gemacht. Die Verbannung des Religionsunterrichts aus den Schulen und die Einführung der Jugendweihe haben ebenso wie die systematische Benachteiligung von bekennenden Christen dazu beigetragen, dass das Christentum in der DDR ein Nischendasein führen musste. 2008 lag der Anteil evangelischer Christen an der Gesamtbevölkerung bei 20,7 Prozent, der Anteil der Katholiken bei 3,6 Prozent. Trotz der systematischen Unterdrückung und Ausgrenzung der Kirchenmitglieder ist es dem DDR-Regime nicht gelungen zu verhindern, dass sich die Kirchen zu Orten der Opposition und des Widerstandes gegen das SED-System entwickelten und damit eine entscheidende Rolle bei der friedlichen Revolution im Oktober 1989 spielten.

Die evangelische Kirche
Evangelische Christen in Sachsen gehören entweder zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz oder zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche stellt mit 798.930 Mitgliedern im Jahr 2008 die bei weitem größte der evangelischen Kirchen in Sachsen dar. Mit 210 Kindergärten und 40 Schulen in kirchlicher Trägerschaft spielt die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen heute eine wichtige Rolle in der Bildungslandschaft des Freistaates. Die Diakonie Sachsen, die ebenfalls von der evangelischen Kirche getragen wird, ist einer der größten Wohlfahrtsverbände Sachsens. Sie beschäftigt im Freistaat über 18.000 Mitarbeiter sowie zahlreiche ehrenamtliche Helfer in rund 1.900 Diensten und Einrichtungen. Sozialeinrichtungen und Schulen tragen neben den Kirchen in entscheidendem Maße dazu bei, dass das christliche Menschenbild auch in Zukunft in Sachsen Bestand haben wird. Dies ist umso bedeutsamer, als der Anteil der evangelischen Christen an der Gesamtbevölkerung Sachsens kontinuierlich abnimmt, waren 1992 noch 27,5 Prozent der Sachsen evangelisch, so sind es 2008 nur noch 20,7 Prozent.

Die katholische Kirche
Katholische Christen in Sachsen können dem Bistum Dresden-Meißen (2008 131.841 Mitglieder im sächsischen Teil), dem Bistum Görlitz (2008 13.605 Mitglieder im sächsischen Teil) oder dem Bistum Magdeburg (2008 5.110 Mitglieder im sächsischen Teil) angehören. Schaut man sich den Anteil der Katholiken an der sächsischen Bevölkerung an, so kann man feststellen, dass er seit 2003 konstant bei 3,6 Prozent liegt. Auch gegenüber 1992 3,9 Prozent sind hier nur geringe Veränderungen festzustellen. Zwar ist die absolute Zahl der Katholiken im Lande zurückgegangen, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung bleibt jedoch weitgehend konstant.

Durch die Wiedervereinigung hat sich in Sachsen die Anzahl der konfessionell gebundenen Menschen nicht wesentlich verändert. Die Kirchen konnten den Zulauf, den sie in Zeiten der friedlichen Revolution hatten, nicht in neue Mitglieder ummünzen, so dass nach wie vor im gesamtdeutschen Vergleich nur sehr wenige Sachsen religiös gebunden sind: Bundesweit gehören ungefähr 61 Prozent der Menschen einer der beiden großen Kirchen an, im Saarland sind es gar fast 85 Prozent, in Bayern immerhin noch über 77 Prozent, in Sachsen liegt der Anteil der Evangelischen und Katholiken bei 2007 bei 24,5 Prozent und damit immerhin noch über dem Schlusslicht Sachsen-Anhalt mit 19,7 Prozent (Quelle: EKD-Statistik vom Dezember 2007).

Andere Glaubensgemeinschaften
Es gibt in Sachsen drei jüdische Gemeinden mit jeweils einer eigenen Synagoge. Die Zahl der Gemeindemitglieder hat sich – vor allem durch die Zuwanderung aus Osteuropa – von 190 im Jahr 1992 auf 2.629 im Jahr 2008 kontinuierlich erhöht.
Über die Anzahl der Menschen moslemischen Glaubens in Sachsen lassen sich nur Vermutungen anstellen. In Deutschland leben gegenwärtig etwa 3,6 Millionen Muslime und bilden somit 4,4 Prozent der Bevölkerung. In Sachsen sind es schätzungsweise über 16.000 Menschen, die sich zum Islam bekennen bzw. eine vom Islam mitgeprägte kulturelle Identität besitzen. Mit rund 7.000 Muslimen und einem Anteil von 1,4 Prozent war Leipzig im Jahr 2007 die sächsische Stadt mit dem höchsten Anteil moslemischer Bürger.

Annette Rehfeld-Staudt