Start Infoseiten Logo der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung
1806 bis 1871

Napoleonische Zeit und preußisch-österreichischer Dualismus

Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und der Austritt der frankreichfreundlichen Rheinbundstaaten aus dem Reichsverbund im Jahre 1806 versetzen dem Heiligen Römischen Reich den Todesstoß.

Obwohl Sachsen lange Zeit an der Seite des habsburgischen Kaisers gestanden hatte, lehnte es sich nun erstmalig an Preußen an. So standen die sächsischen Truppen mit Preußen auf den Schlachtfeldern von Jena und Auerstedt (1806). Hier erlitten sie eine vernichtende Niederlage gegen Napoleon. Ganz Sachsen wurde besetzt. In Dresden zogen 10.000 bayerische Soldaten sowie ein französischer Stadtkommandant ein.

In Posen wurde am 11. Dezember 1806 Friede mit Frankreich geschlossen, Kursachsen zum Königreich Sachsen erhoben und Mitglied des Rheinbundes. Kurfürst Friedrich August III. nannte sich fortan König Friedrich August I. Er blieb nun an der Seite Napoleons, der nach seinem erfolglosen Russlandfeldzug die Streitkräfte in Sachsen konzentrierte. Die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 sah die sächsischen regulären Truppen auf französischer Seite.

Somit galt Sachsen nach der Schlacht als Verlierer, es wurde zum Generalgouvernement erklärt. Vom 21. Oktober 1813 bis zum 9. November 1814 herrschte Fürst Repnin-Wolkonski in Sachsen und organisierte die Ableistung von Kontributionen und Truppenkontingenten.

Nach dem Untergang Napoleons zeigte sich Preußen fest entschlossen, Sachsen vollständig zu annektieren. Den in erster Linie expansionistischen und machtpolitischen Interessen Preußens an Sachsen stand auf der anderen Seite das Interesse Österreichs und der deutschen Mittelstaaten an einer Verhinderung preußischer Vormacht in Deutschland gegenüber.

Auf dem Wiener Kongress wurde dann entschieden (18. Mai 1815), dass Sachsen als stark verkleinertes Königreich bestehen bleiben durfte. Folgende Gebietsverluste wurden Sachsen unter König Friedrich August dem Gerechten abverlangt: die gesamte Niederlausitz, Teile der Oberlausitz und umfangreiche Gebiete im Westen und Nordwesten (u.a. Wittenberg, Torgau, Mansfeld). Insgesamt büßte das junge Königreich 57,5% seines Herrschaftsgebietes und 42,2% der Bevölkerung ein (zuvor insgesamt 2,05 Mio. Einwohner).

Nach dem deutschen Bruderkrieg von 1866 waren nochmals große diplomatische Anstrengungen erforderlich, um Sachsen vor dem Untergang zu retten. Als Zugeständnis trat das Königreich Sachsen am 21. Oktober 1866 im Berliner Frieden mit Preußen dem Norddeutschen Bund bei. Der Weg zur kleindeutschen Lösung unter preußischer Vorherrschaft war damit freigegeben.

(Rellecke)