Der Weg in den Krieg

 

 

Der Erste Weltkrieg

Als der deutsche Kaiser Wilhelm II. am 2. August 1914 die Mobilmachung der deutschen Armee und die Kriegserklärung an Frankreich bekannt gab, waren sich die wenigsten Zeitgenossen bewusst darüber, welche Katastrophe dieser Krieg bedeuten könnte. Militärische Auseinandersetzungen galten seit jeher als legitimes Mittel der Politik. Der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 war ein bedeutender Wendepunkt in der Weltgeschichte, sein Ausgang brachte die deutsche Monarchie zu Fall, schuf die Weimarer Republik und begünstigte - durch den Frieden von Versailles 1919 - extremistische Strömungen wie die des Nationalsozialismus. 53 Länder waren am Ersten Weltkrieg militärisch beteiligt, über 16 Millionen Menschen verloren ihr Leben, von ihnen zwei Millionen Deutsche, von denen 120.000 aus Sachsen kamen.

Das Kaiserreich vor dem Krieg

Als das Kaiserreich 1914 in den Krieg eintrat, gehörte es zu einem der mächtigsten Industriestaaten der Welt. Doch seinen Platz im Geflecht der europäischen Mächte musste der noch relativ junge Staat erst finden. Formal war das Kaiserreich ein bundesstaatlich organisierter Verfassungs- und Rechtsstaat, der sogar über ein fortschrittliches Wahlrecht verfügte, in welchem die Obrigkeit (im hohen Maße der Adel und die militärischen Eliten) und die konstitutionellen Institutionen miteinander verbunden waren. Jedoch konnte der Kaiser sein Veto gegen Gesetze im höchsten Verfassungsgremium, dem Bundesrat, einlegen. Preußen, als größtes der Länder im Reich, war in der Lage, über eine Sperrminorität Änderungen zu blockieren. Der dem Bundesrat untergeordnete Reichstag besaß hingegen nicht die Vollmachten und Möglichkeiten der Parlamente in anderen westlichen Demokratien. Entscheidenden Einfluss auf die Politik zu nehmen war ihm nicht möglich - mit Ausnahme der Verabschiedung des Haushaltes. Auch die direkte Wahl des Reichskanzlers war nicht vorgesehen.

Der Ausbruch des Krieges in Europa
Es standen sich zwei große Machtblöcke in Europa gegenüber, zwischen denen sich zunehmende politische Spannungen entwickelten. Die Mittelmächte bestehend aus Deutschland und Österreich-Ungarn auf der einen Seite und die Entente aus Frankreich, Russland und England auf der anderen. Bereits um die Jahrhundertwende war das Potential eines großen Krieges sichtbar geworden. Jener militärisch gelöste Konflikt Russlands mit Japan 1904 oder die Balkanauseinandersetzung 1912 zeigten, dass Krieg als Mittel der Politik im Streben um billige Rohstoffe und neue Absatzmärkte legitim schien. Die Kolonien (und damit Expansionsmöglichkeiten) waren unter den europäischen Mächten bereits verteilt und nur ein großer militärischer Konflikt würde die zementierte Ordnung ins Wanken bringen können. Darauf drängte auch das deutsche Kaiserreich, das mit aggressiver Rüstungspolitik insbesondere im Flottenbau seinen globalen Anspruch durchzusetzen versuchte. Die Spannungen entluden sich mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajevo am 28. Juni 1914. Der Bündnisfall wurde provoziert, sowohl die Mittelmächte als auch die Entente waren gezwungen, ihrem jeweiligen Bündnispartner zu helfen. Unerfüllbare Forderungen durch Österreich-Ungarn an Serbien und die bedingungslose Zusage des deutschen Kaisers, an der Seite der Wiener zu kämpfen, verhinderten eine diplomatische Lösung. Am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg; die Deutschen setzten die Mobilmachung am 1. August 1914 in Gang und erklärten noch am selben Tag Russland den Krieg.

Daniel Wendorf