Ost-West-Spaltung

Ost-West-Spaltung

Im Potsdamer Abkommen vereinbarten die Siegermächte des 2. Weltkrieges, dass sie gemeinsam die Geschicke des besiegten Deutschlands übernehmen und das Land "auf einer demokratischen und friedlichen Grundlage" wiederaufbauen wollten. Diese Grundsätze scheiterten aber an den unterschiedlichen Interessen der Besatzungsmächte und vor allem deren systembedingten Gegensätzen (kommunistische versus freiheitlich-demokratische Staaten). Auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 konnten nur durch Kompromisse offensichtliche Divergenzen vermieden werden. Die Unterschiede der beiden Systemblöcke verstärkten sich inner- und außerhalb Deutschlands in den folgenden Jahren vehement.

In den Besatzungszonen entwickelten sich, überwacht und geprägt durch die jeweiligen Besatzungsmächte, unterschiedliche Gesellschaftsformen. Während vor allem in der britischen und amerikanischen sowie nach und nach in der französischen Zone demokratische Strukturen entstanden und durch die Währungsreform die D-Mark als einheitliches Zahlungsmittel Gültigkeit erhielt, wurde die östliche Besatzungszone nach sowjetischen Maßstäben umgestaltet. Äußerlich wurden im Osten ebenso wie in den westlichen Zonen scheinbar demokratische Strukturen aufgebaut, aber das Zitat Walter Ulbrichts, der mit einer Gruppe deutscher Exil-Kommunisten aus Moskau (Gruppe Ulbricht) den Aufbau in der sowjetischen Besatzungszone steuerte, entlarvt den tatsächlichen Anspruch: "Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben."

Am 1. Januar 1947 schlossen sich die amerikanische und britische Besatzungszone zur Bizone zusammen, um beide Zonen wirtschaftlich effizienter zu gestalten. Die Steuerung wurde dem Frankfurter Wirtschaftsrat übertragen. Neben der Sowjetunion protestierte zunächst auch Frankreich gegen die Zusammenlegung beider Zonen, trat aber am 8. April 1949 der Bizone bei (Trizone). Nachdem die Sowjetunion am 2. Juli 1947 eine Beteiligung am Marshall-Plan für ihre Besatzungszone ablehnte, war das Scheitern der gemeinsamen alliierten Deutschland-Politik offensichtlich. Das Ende des "Rates der Außenminister" im Dezember 1947, als höchstes Gremium der Alliierten Deutschland-Politik, offenbarte den offiziellen Schlusspunkt des abgestimmten Vorgehens.


Frank Uhlmann